Newsletter – unsere neue Rubrik: Was wir sonst noch so machen!

Regelmäßig kluge und interessante Inhalte zu präsentieren ist für mich eine Herausforderung, die ich für die meisten schriftlichen Dinge in unserem Seminar- und Beratungsgeschäft zuständig bin. Manchmal bekomme ich allerdings Zuarbeit. Seit vergangenen Sommer habe ich in mir bewegt, wie ich die Reise einiger Klostergeschwister auf die Farör- Inseln in unser Magazin einbetten kann. So kam mir in einem ruhigen Moment die Idee zu einer Rubrik mit dem Titel: Was wir sonst noch so machen!

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich finde es immer sehr spannend, wie Menschen, die ich mag, deren Arbeit ich schätze, die ich bewundere und die für mich von Bedeutung sind, sonst noch so leben.

Hier in der mannaz-Seminare Arbeit, in der AnStiftung, in der Lebensgemeinschaft und im Kloster haben wir uns alle miteinander der Haltung der Liebe verschrieben. Jede Person lebt diese Haltung auf ihre Weise und füllt sie mit ihrer Bestimmung aus. So verschieden sind wir und so unterschiedlich sind unsere Anliegen, was uns bewegt und was wir in der Welt bewegen wollen. Wie drückt sich die Haltung der Liebe durch uns aus?

Ich nehme Euch mit auf eine Reise. Denn tatsächlich sind wir auch immer wieder unterwegs auf neuen Wegen und erleben darin, wohin unsere Impulse uns führen können.

Bina hat eine Idee und eine Vision von ihrem Dienst

Ihr kennt sicher Sabine Fiedler. Bina nennt sie sich und Bina hat eine besondere Verbindung zum Meer und seinen Bewohnern. Dahin zieht es sie. Auf dass die Meere und alles, was ihn ihnen lebt, Schutz und Unversehrtheit erfährt.

Letztes Jahr ist Bina mit einigen Klostergeschwistern auf die Farör-Inseln aufgebrochen, um dort für eines ihrer Herzensanliegen einzutreten: dass die Jagd auf die Grindwale aufhört und die Menschen innehalten, diese Tradition weiterzuführen. Grindwale leben in Familien, sogenannten Schulen und wenn ihr Leittier in Gefahr kommt, dann folgt die ganze Gemeinschaft. So ist es nun Tradition auf den Farör-Inseln, dass das Leittier einer Schule auf See harpuniert und in eine Bucht gezogen wird, der Rest ihrer Schule folgt und dort werden alle Tiere auf sehr brutale Weise abgeschlachtet. Es gibt mittlerweile viele Initiativen, die dies verhindern wollen.

Bina hat dazu viel gelesen und recherchiert. Sie hat einen Brief verfasst und wollte diesen auf den Inseln verteilen, um ihren Beitrag zu leisten, dass Töten zu beenden. Eine fixe Idee, denkt Ihr? Ja, aber warum nicht versuchen, was einem in den Sinn kommt und seine Erfahrung damit machen?

In Gemeinschaft lassen sich Ideen umsetzen

Eine kleine Gruppe aus Klostergeschwistern und Freunden ist auf die Farör-Inseln gereist. Sie haben Binas Briefe verteilt, mit den Menschen vor Ort gesprochen und sich aufgemacht, diese fremde Welt kennen zu lernen. Den Abschluss ihrer Reise bildete ein eigenes Ritual der Versöhnung mit dem Schicksal der vielen getöteten Wale. Das passiert, wenn sich ein Mensch führen lässt und Gefährt*nnen findet, die sich darauf einlassen. Es entsteht eine eigene Erfahrung und die Gewissheit, dass es gut war, etwas zu tun, auch wenn sich die Wirkung nicht beweisen lässt. Auf jeden Fall gingen in der Zeit nach dem Besuch keine Wale mehr in die Falle.

Was die Klostergeschwister auf den Farör-Inseln erlebt haben, mögen ihre eigenen Worte hier ausdrücken.

Inspirationen von der Reise auf die Farör-Inseln im Juli 2025

„Für mich sind die Faröer ein fremder, fast unwirklicher Ort im Nordatlantik. Menschen, die in einer baumlosen und kargen Landschaft ihr sehr eigenes Leben führen. Das Fremdsein lässt mich vorsichtig und sehr schnell demütig werden. Ich weiß nichts über die Herausforderungen des Lebens in dieser kargen Landschaft, die ihre Bewohner kaum ernähren kann.“ (Henning Holst)

„Auf steilen Felshängen aus vulkanischem Gestein und moorigen Wiesen grasen kleine Schafe, Baum und Strauch schützt sie vor Sturm und Regen. Die Menschen leben hier seit hunderten Jahren in der Abgeschiedenheit des Meeres, dessen Bewohner ihnen als Nahrung das Überleben ermöglicht haben. Am Nationalfeiertag habe ich erlebt, wie wichtig ihnen Gemeinschaft, ihre Kinder und ihre Traditionen sind.“ (Almut Mrotzek)

„Seit Langem treibt mich die Frage um: wie mag es den Menschen auf den Faröer Inseln wohl gehen, wenn sie für ihre Waljagden, die sie betreiben von vielen Menschen anderer Länder abgelehnt und verurteilt werden?

Verurteile ich sie auch, weil einige dort Wale in großer Menge töten, dass es mir das Herz zerreißt? Darf ich mich dort einmischen und habe ich die Erlaubnis, dort für die Wale zu sprechen und mich auch als Mensch dieser Erde positionieren, auch wenn ich nicht dort auf den Inseln und in einer völlig anderen Kultur lebe? 

Ich weiß so wenig. Und dennoch möchte ich, dass sich etwas ändert und ich will etwas tun, mich einbringen, nicht nur in Gedanken wirken. Ich habe einen Brief geschrieben, dass sie das Töten beenden, mit der Hoffnung verknüpft, einen neuen anderen Weg zu gehen. Ich rufe sie auf, ihre Herzen zu heilen – zu öffnen und wünsche mir, dass sie die Wale hüten und beschützen. Dass sie anderen Menschen zeigen, wie sie das Meer und alle Meereslebewesen schützen und achten können. Wir brauchen als Menschen die intakten Meere und Frieden mit den Bewohnenden der Meere – ein Gleichgewicht.

Wir haben uns mit einer Gruppe auf den Weg gemacht zu den weit entfernten 18 kleinen Inseln der Faröern mitten im Atlantik, um mehr über die Menschen hier, deren Traditionen und Kultur, ihren Lebensbedingungen umschlossen vom weiten Meer zu erfahren und ihnen auch den Brief zu überbringen ganz persönlich zu ihren Wohnorten und Häusern. 

Es ist eine spannende herausfordernde Reise, die uns konfrontiert, besonders mit uns selbst, auf dem Weg Antworten und neue Wege für die Versöhnung zwischen den Menschen und zwischen Walen und Menschen zu finden. Dabei geht es auch um uns und wir sind mittendrin.“ (Sabine Fiedler)

„Durch deine Inspiration, liebe Bina, keimt die Versöhnung zwischen Meer und Insel, zwischen Mensch und Mitgeschöpf. Du hast mir gezeigt, wie Frieden aus Ehrfurcht wächst und Mitgefühl Brücken schlägt, wo Trennung war. Dafür danke ich dir von Herzen. Wo ein Mensch innehält und die Wunde zwischen sich und der Welt erkennt – und bereit ist, sie zu heilen.“ (Ramona Lütcherath)