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09.09.2012 17:32 Alter: 5 yrs
Kategorie: Pilgerblog

Sechster Tag Geh-Danken-Weg


Heute Morgen war ich ganz traurig und enttäuscht: etwas fehlte noch auf meinem Weg, ich war noch nicht bereit wieder in Leppin anzukommen. Es ist so schön, morgens seine Sachen zusammenzupacken, gemeinsam zu frühstücken, den Impulstext zu lesen und loszulaufen, hinein in einen Tag voller Begegnungen, tiefer Gespräche und schönem Wetter: warum war ich da traurig? Und dann wurde mir - als ich auf die aufgeplatzten Kastanien auf unserem Weg schaute - plötzlich klar, was mir fehlte: trotz aller Schönheit und Intensität, obwohl ich mich angestrengt und meine Gabe gelebt habe, obwohl ich zufrieden mit mir war, war ich nicht mit dem ganzen und offenem Herzen dabei. Es fehlte eine tiefe befriedigende Freude, weil mein Tun nicht absichtslos war, sondern ich etwas erreichen wollte: gesehen werden, anerkannt werden, bewundert werden, Fleißbienchen bekommen, das Leben erledigen. Aber selbst wenn ich alles gut gemacht habe und wenn mir gesagt wird, was ich hören will, erreicht mich das nicht und macht mich nicht satt. Ich verstand, dass ich mich im Außen abrackern und abkämpfen kann und trotzdem hungrig bleibe, wenn ich innerlich ein schwarzes Loch voller Bedürftigkeit nach Anerkennung, Geborgenheit und Verbundenheit und gleichzeitig voller Misstrauen mit mir rumschleppe. „Wann werde ich aufhören, um mich zu kämpfen“, fragte Henning mich später. Und ich wusste es nicht: wie sollte das gehen, soll ich mich etwa selber aufgeben? Aber langsam verstehe ich, dass es auch einen sanften Weg gibt, einen sanften, klaren und bestimmten Weg, den Schritt zu mir zurück in einer Haltung der Achtung, die sanften Mut erfordert. Auch den Mut, seine Kampfweisen zu verstehen und das schwarze Loch in mir anzuschauen, mich damit zu versöhnen und mich umarmen zu lassen (Danke Claudia, Thomas, Christina, Marion!!!). Das braucht Zeit, aber der erste Schritt der Erkenntnis ist getan. Und dann war es schön, in der späten Nachmittagssonne in Leppin anzukommen und stolz und froh zu sein.