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07.09.2012 08:29 Alter: 5 yrs
Kategorie: Pilgerblog

Fünfter Tag Geh-Danken-Weg

Lebensgeschichten, die Mut machen


Ein Podiumsgespräch mit Pilgern und mutigen Menschen

Was ist unser Traum, wofür lohnt es sich, in seinem Leben etwas zu ändern? Wie will ich auf mein Leben blicken? Darf mein Leben eine spannende Geschichte werden für andere, die Mut macht, seinem Traum folgen?

Christian ist unser Gastgeber. Er hat eine Kanustation in Feldberg und hat sich seinen Traum geschaffen. Ein Weg mit Verlusten, Entscheidungen, Mut und einem bewundernswerten Durchhaltevermögen..

Drei Uniformen gab es in der Familie, Christian war bei der Polizei und sein Vater war stolz darauf. Doch er wollte etwas anderes. Studierte dann Journalistik und hatte alles, was es dafür brauchte, um eine Anstellung zu bekommen, die er aber nicht fand. Im Jahr 2000 war er das erste Mal in Feldberg und dann ging er vier Jahre schwanger damit, hier ein neues Leben zu beginnen. Christian kommt aus Duderstadt, einer Kleinstadt in Niedersachsen. Dann hat er den Schritt gewagt, einen kleinen Kredit bekommen und eine neue Familie gefunden, die nach acht Jahren leider ihr Ende nahm. Die Winter sind lang und dunkel in Mecklenburg und Christian kennt die Momente, in denen er sich fragte, ob es sich wirklich gelohnt hat, diesen Schritt zu wagen. Doch es hat sich gelohnt. Jeden Tag fährt er mit einem Lächeln zur Arbeit. Das ist es ihm wert. Er braucht kleine Einheiten, in denen er sich wohl fühlt. Die große Stadt Köln war ihm zu groß. Er hat Freunde gefunden, die ihn unterstützen. Er hat seinen Platz hier gefunden. In die Welt, die er zurückgelassen hat, in der Wettbewerb, Verdrängung und Kampf herrscht, will er nicht mehr zurück. Er lebt am Ruhepuls der Natur.

 

Norberts Leidenschaft gehört den Hunden. Ihr Verhalten will er den Menschen verständlich machen. Er hat es gewagt und seine eigene Hundeschule, ein Schulungszentrum für Mensch und Hund, gegründet.

Norbert wächst in Castorp Rauxel im Ruhrgebiet auf. In seiner Familie arbeiten die Männer in der Zeche und werden nicht alt, denn die Arbeit geht auf die Knochen und viele haben nicht lange etwas von ihrer Rente. Er hat sich früh geschworen, dass er etwas machen will, was ihm Spaß macht. Denn wer nicht mit Freude und Liebe seiner Arbeit nachgeht, der verpasst sein Leben.

In seinem ersten Leben machte das, was nahe lag, um Geld zu verdienen: Er machte eine kaufmännische Ausbildung, arbeitete 10 Jahre in diesem Beruf und hat sich bis zum Depotleiter hinauf gearbeitet. Schnell hat er festgestellt, dass er das nicht wollte. Als Kind wollte er eigentlich Tischler werden. Seinen ersten Hund hatte er schon mit 18 Jahren. Seitdem studierte er das Verhalten der Hunde. Dann begegnete er seiner Frau, und der gemeinsame Traum von der Hundeschule wurde greifbar. Das Konzept lag schon länger in der Schublade. Ein Haus wurde ersteigert. Er meldete Gewerbe an und suchte einen Steuerberater. Der Steuerberater war dann auch gleich der erste Kunde. Was er heute macht, lebt er mit Herzblut.

Als er in Feldberg ankam, kannte er niemanden. Seine Frau Martina hat ihn dabei immer so ausdrücklich unterstützt, war mit ihrer Hilfe und Nähe stets an seiner Seite, dass er nie den Mut verloren hat. Mittlerweile hat er Freunde gefunden, mit denen er reden kann und wo er auch den nötigen Rückhalt bekommt. Mut kann man nur haben, wenn man um das Risiko weiß und trotzdem sagt: ich mache es. Am Ende rät er den Pilgern: „Das Leben findet jeden Tag statt, lebt euren Traum…“ und Christian fügt hinzu: „Wer wirklich will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe…“