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03.09.2012 18:02 Alter: 5 yrs
Kategorie: Pilgerblog

Zweiter Tag Geh-Danken-Weg

Tag von Alt Rehse nach Neustrelitz, 22 km, sonnig und warm, Bad im Krebsee, verlaufen, Pizza essen, ein Vortrag „Stell Dich Deinem Leben“, Beinschmerzen, Blasen, Hüftleiden, eine blutige Hundeschnauze, Aufgeben, Ankommen, Müdigkeit.


Tag der Demut

Eine Pilgerin erzählt

Heute Morgen „ Wie war das denn?“, ich bin losgegangen. Ich war erstaunt, dass ich noch Lust hatte zu gehen, obwohl ich am Vortag extrem an meine körperlichen Grenzen gekommen bin. Ich freue mich über die Höflichkeit der Männer, die mir helfen, meinen Rucksack aufzusetzen.

Wir sind ein Team, das ist zu spüren. Ich bin mit meiner Begleiterin gelaufen. Es ging ziemlich bald zur Sache bei mir. Bin ich bereit, ganz mit den Menschen zu gehen, in der Gruppe zu sein oder flüchte ich mich in meine inneren Traumwelten? Ich kam zu der Erkenntnis, dass es um einen Verlust geht, den ich nicht anschauen wollte.

So lange ich da nicht hinschaue, bin ich nicht ganz bei mir und dann auch nicht bei den Menschen. Meine Begleiterin gab mir den Impuls und dieses Thema arbeitete in mir den halben Tag weiter. Dann wurden mir das Laufen und der Rucksack zur unerträglichen Last. Mir war zum Heulen zumute. Ich spürte meine Fluchtimpulse, alles hinzuschmeißen und nach Hause zu fahren. Ich fühlte mich einsam, gescheitert und verloren. Es war auch wie ein in die Knie gehen. Das war für mich der Moment, in dem mir die Herausforderung des Pilgerweges spürbar wurde. Das Ganze hier ist kein Spaß. Meine Vorstellung war ein paar lustige Tage einen Spaziergang mit ein paar netten Leuten zu machen. Doch jetzt spürte ich meine menschlichen Grenzen und meine Demut. In diesem meinem schwächsten Augenblick erfuhr ich von meinen Mitpilgern Mitgefühl, Trost und wirkliche Hilfe. Ich spürte wie arrogant ich vorher auf die Menschen geschaut habe. War einsam in dem Glauben, alles alleine schaffen zu wollen. Ich erkannte, dass die Menschen nur zusammen ihre Tugenden entfalten. Das Annehmen der Hilfe hat mich zutiefst erreicht und mir den Glauben an das Gute im Menschen zurückgegeben. Das war mein Weg in die Demut. Dazu musste ich durch große Schmerzen gehen.

Meine Füße sind total kaputt, aber mein Geist ist wach und klar. Ich will nicht mehr weglaufen, nicht vor mir selbst und meinem Leben. Ich weiß, dass ich nicht alleine bin. Ich habe früher immer an Gott und die Engel geglaubt, dass sie immer bei mir sind. Aber jetzt glaube ich auch an die Verbundenheit zwischen den Menschen. Eine Verbundenheit, die mich trägt.

 

Wir möchten einem langejährigen Freund danken, der gerade in ein neues Leben in ein fremdes Land aufbricht. Er hat uns seinen Pilgerstab mitgegeben, die ihn tragen, kommen in Kontakt zu ihrem inneren Kind. Wir achten auf den Stab und immer trägt ihn ein oder eine andere, dafür wollen wir ihm danken. So ist er bei uns und begleitet den Weg mit.

 

Ein Pilger erzählt

Heute haben die Kinder unsere Gruppe verlassen. Es war so schön, dass sie uns begleitete haben und es macht uns Eltern traurig sie gehen zu lassen. Wäre schön, wenn sie nächstes Jahr schulfrei bekommen, um den gesamten Weg zu begleiten. Sie haben viel Lebendigkeit vorgelebt und uns gezeigt, wie man gut miteinander umgehen kann.